Wasching im Bayerwald

Chronik der ehemaligen Gemeinde Wasching Drucken
Mit dem ersten Gemeindeedikt 1808 wurde der Steuerdistrikt Wasching und mit dem zweiten Gemeindeedikt 1818 die Gemeinde Wasching gebildet. Zum Gemeindebereich gehörten die Orte Adelsberg, Bucheck, Eppenberg, Haag, Hötzelsberg, Hundswinkel, Kapfham, Kramersbrunn, Saldenau, Wasching und Wolfersreut.

Im Jahr 1967 hatte die Gemeinde 546 Einwohner und eine Größe von 1153 ha. Sitz der Gemeindeverwaltung war Haag, letzter Bürgermeister war von 1948 bis 1971 Xaver Ned aus Saldenau. Ein eigenes Gemeindewappen führte die Gemeinde Wasching seit 1967.
Lagebedingt besuchten die Kinder vier außergemeindliche Schulen in Hohenau, Aigenstadl, Ringelai und Neudorf. Alle Orte der Gemeinde gehören zur Pfarrei Hohenau, mit Ausnahme von Wasching und Wolfersreut, welche der Pfarrei Ringelai zugeteilt sind.
Im Zuge der Gebietsreform 1970-1978 wurde die Gemeinde Wasching am 01.04.1971 aufgelöst. Die Ortschaften Wasching und Wolfersreut wurden der Gemeinde Ringelai zugeordnet, alle anderen Orte der Gemeinde Hohenau.

 

Gemeindewappen

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Dreimal geteilt von Silber und Blau, belegt mit einer eingeschweiften roten Spitze, darin auf silbernem Berg ein silberner Grenzstein.
(Bewilligt Innenministerium, vom 4, April 1967 Nr. I B 3-3000/29 W 3)

Der Grenzstein erinnert an die Vereinbarung zwischen Kurbayern und dem Hochstift Passau zu Ende des 17. Jahrhunderts über den Verlauf der Grenzen der Hoheitsgebiete. Die Farben Silber und Blau bzw. Silber und Rot spielen auf die Wappen des Hochstifts Passau und Bayerns an, die mehrfache Teilung des Schildes ist dem Familienwappen des seinerzeit. Fürstbischofs Graf Lamberg entlehnt.

Historisches vom Ort Wasching

Der Ort Wasching wurde im Jahr 1308 erstmals in einer Niedernburger Urkunde als Weschingen erwähnt. Ein bestätigter Textauszug dieser Urkunde (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, KU Passau-Niedernburg - 1308|27, Passau) lautet:

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"Elen, Dechantin
1 des Klosters Niedernburg, und Hailweik die Kellnerin2 bestätigen, daß Hainrich von Weschingen3 nach rechtem Urteil des Propstes Christan von Urleinsberg4 dem Hartlieb ein Erbe zu Weschingen übergeben hat.
S: Kloster Passau-Niedernburg und Christan von Urleinsberg, Propst zu Niedernburg - an dem nehesten Samztage nach sant Paulstage."

1. Dechantin, in Frauenklöstern die zweithöchste Würdenträgerin, 2. Kellnerin, überwachte alle wirtschaftlichen Abläufe im Kloster, man könnte sie auch Buchhalterin nennen, 3. Weschingen =Wasching, 4. Die Urleinsberger sind seit dem 12.Jahrhundert in der bayerischen Ostmark geschichtlich nachweisbar; sie hatten ihren Sitz auf einem Bergrücken bei Röhrnbach, auf dem heute noch das Dorf Iriesberg (= Urleinsberg) liegt. Bis ins 15. Jahrhundert sind die Urleinsberger als Vasallen der Passauer Kirche nachweisbar.


Wasching ist das nördlichste Ing-Dorf im Wolfsteiner Land, hier stießen die ersten Siedler von der Donau aus am weitesten ins Waldland vor. Ing-Dörfer sind ein Siedlungstyp der Landnahmezeit im königlichen Nordwald. Sippengründungen, deren Namen mit altdeutschen Personennamen und der Endung -ing gebildet sind. Diese Dörfer gehörten zur ersten Siedlungswelle, die noch vor der Jahrtausendwende den Süden und Westen des derzeitigen Landkreises erreichte und dabei nicht unbedingt beste Böden sondern vielmehr freie Stellen im Waldland bevorzugte.
Wasching gehört zu den"echten" Ing-Dörfern, bei denen die Ansiedler namengebend waren (Personenname: Wezzi oder Wezil), weitere
"echte" Ing-Dörfer im Landkreis Freyung-Grafenau sind u.a. Deching (Dechilo), Sickling (Siccilo), Nebling (Nobilo), Ernsting (Ernust). Ab dem 14. Jahrhundert entstanden nach und nach weitere Ing-Orte, diese verdanken ihre Namen einer Angleichung (Ver-ing-ung), dazu gehören u.a. Kringing, Kaining, Hinterschmiding.
Wasching wurde im Jahr 1308 in der o.g. Niedernburger Urkunde als Weschingen erstmals genannt.

Bei Ausgrabungen im Zuge der Sanierung des "Schroihauses" wurden mehrere alte Tonscherben mit einem Tonstempel in Kreuzform gefunden
, verm. aus dem 15. od 16. Jahrhundert. Die älteste Scherbe konnte sogar auf das 11. Jahrhundert datiert werden.
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Bekanntlich überließ Kaiser Heinrich I. im Jahre 1010 den heutigen unteren Bayerischen Wald, den Nonnen zu Passau-Niedernburg zur Nutzung. Eine Urkunde vom 5. September 1220 gibt näheren Aufschluss über die Ausdehnung dieses Landes, des Landes der Abtei, wie es fortan hieß. Die Grenze erstreckte sich im Westen vom Ilzverlauf flußaufwärts über Biberbach bei Haus i. W. über den Geistlichen Stein bei Wasching/Ringelai - Thomasbach - Steinberg bei Saldenau/Kapfham am Ruck - Sägwasser zum Lusen. Im Norden verlief die Grenze wie bisher vom Lusen über den Kamm zum Dreisessel. Im Osten begrenzte das Abteiland die Große Mühl (Michelbach) und schließlich bildete im Süden die Donau die Grenze.
In den Jahren 1691/92 fand eine Abmarkung der oft strittigen Grenzlinie statt. Es wurden eine ganze Reihe von mannshohen Grenzsteinen an der Fürstbischöflich-Kurbayerischen Grenze aufgestellt. Einige dieser Grenzsteine findet man noch heute in der Umgebung von Wasching, etwa am Thomasbach, am kleinen Geistlichen Stein und oberhalb des Geistlichen Steins. In diese Grenzsteine sind auf der einer Seite das Wappen des Kurfürstentums Bayern und auf der anderen Seite das fürstbischöflich-passauische Lambergwappen und die Jahreszahl 1691 (tlw. auch 1692) eingemeißelt . Heute trennen diese Steine symbolisch die ehemaligen Landkreise Grafenau und Wolfstein.

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Im 17. Jahrhundert bestand die Ortschaft Wasching lt. einer damaligen statistischen Beschreibung aus den sechs Lehen Weinbergergut, Kramerbauerngut, Knausengut, Nußbaumgut, Eckbauerngut, Hochgütl und dem Kleinhäusl Großensteinergütl.
Im Hochmittelalter wurden die Blockfluren Waschings für die Dreifelderwirtschaft gegliedert: Hochfeld, Unterfeld und Außerfeld. Dazu kamen Nachrodungen wie etwa das Reithenfeld im Norden des Ortes.


Karten

Flurkarte v. 1829
Vergleich 1829 vs. 1980 - Wasching vor und nach der Flurbereinigung
Karte - Wasching und Umgebung


Historische Grenzsteine von 1691/92

VORDERSEITE: Schriftzeichen "I P E P" = Johannes Philippus Episcopus Passaviensis (Johann Philipp Bischof von Passau)
Bischofswappen mit den Passauer Wölfen und der Fürstenkrone
Jahreszahl 1691 (oder 1692)
RÜCKSEITE: Schriftzeichen "M E E B" = Maximilian Emanuel Elector Bavariensis (Maximilian Emanuel Kurfürst von Bayern)
Bayrisches Kurfürstenwappen mit Raute und Krone
Jahreszahl 1691 (oder 1692)
OBERSEITE: Auf der gerundeten Oberseite ist bei einigen Grenzsteinen (z.B.: kl. Geistlicher Stein) ein Zeichen der Steinmetzbruderschaft der Dombauhütte Passau zu sehen.

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Hauptlehrer Karl Herzog aus Hohenau, verfaßte 1967 anläßlich der Wappen- und Fahnenübergabe an die Gemeinde Wasching ein Heimatgedicht, in welchem der Grenzstein über sich und seine Geschichte erzählt.

 

 


Quellen u.a.:
Historischer Atlas von Bayern, Passau - Das Hochstift, 1972 Verlag Bay. Landesgeschichte - Webseite
Der Landkreis Wolfstein, 1968 Verlag Landkreis Wolfstein
Der Landkreis Freyung-Grafenau, 1982 Verlag Landkreis FRG
Die Kunstdenkmäler von Bayern - Niederbayern, 1931 Verlag R. Oldenbourg München
Niedernburger Urkunde, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, KU Passau-Niedernburg - 1308|27, Passau
- Webseite
Passauer Neue Presse
Monasterium.net, virtuelles Urkundenarchiv - Webseite