Wasching im Bayerwald

Brauchtum in Wasching Drucken

Durch unseren Dorftraditionsverein werden alte traditionelle Bräuche wie das Wasservogelsingen, das Maibaumaufstellen, Sonnwendfeuer und Osterratschen seit Jahrzehnten aufrechterhalten und weitergegeben.


Wasservogelsingen

wasservogelsingen

Ein im Bayerwald verbreiteter Pfingstbrauch ist das Wasservogelsingen, auch Pfingstsingen oder Pfingstvogelsingen genannt. Am Abend des Pfingstsonntags ziehen Burschen in wasserfester Kleidung von Haus zu Haus, um mit ihren G’stanzeln Hausherrn wie Bauern einen fruchtbaren wie glücklichen Sommer zu wünschen. Dabei werden sie während des G’stanzlsingens kübelweise mit Wasser begossen und erhalten als Dank von den Hausleuten Eier, Geld oder auch "Hochprozentiges".
Eine Wasservogelsingergruppe hat in ihren Reihen einen Vorsänger (evtl auch mehrere Vorsänger die sich abwechseln), einen Eierkater der während des Singens laut "miauend" um Eier bettelt, und anschließend die Spenden einsammelt und einen Kirmträger, der die gespendeten Eier, Krapfen, aber auch Geldgeschenke in einer Kirm oder im Korb trägt.


Der Vorsänger beginnt mit dem Singen:
"Wir reisen daher am Abend spat, wohl in der heil´gen Pfingstnacht"

Die Burschen singen hierauf nach jeder Strophe den Kehrreim:
"Abends schlaft's nöt, abends schlaft's nöt, abends, da reisen wir daher"

Weitere Vorsängerstrophen sind u.a.:
Wir reisen daher über a grüne Wies', begegnet uns unser Jesu Christ
Wir reisen über a grüne Au, begegnet uns unsre liabe Frau
Wenn da Baua in der Früh aufsteht, mit Gott verricht er sein Gebet
Der Bauer hat a neu's Paar Schuah und geht damit der Stalltür zua
Der Bauer hat a groß Vermög'n, er kunt uns leicht an Taler geb'n
D'Haustür hat an oachan Kern, es werd's uns ja doch singa hörn
D'Stübltür hat ar a Loch, hörn s' uns nöt, so segn s' uns doch
Die Bäuerin hat a neu's Paar Schuah, sie geht damit der Kuchl zua
Sie kann guat nah'n und sticka, dem Mann sei Hos'n flicka
Es sitzt a schwarze Henn im Nest, die hat scho 30 Oia g'Iegt
30 wär'n ja e nöt z'viel, a 60 wär'n dös rechte Ziel
Mir hab'n an Ringeloia, der is so wuid af´d Oia
Mir hab'n an Hohenaua, der singd nur für an Blaua
Mir hab'n oan von der Neua Welt, der tuat a so ums Silbergeld
Mir hab'n oan von Fürholz, der tuat a so ums Küaschmolz
D'Wasservögel soll ma giaßn, sonst möcht sie's ja verdriaß'n
Mir san na allzam brösltrucka, als wie a Ofaglucka
Da Baua hat a faule Dirn, dö kan koan Tropfa Wassa kriag'n
Da Baua hat an hohen Schrout, und gar a grouße Wassernout
Jetzt hör'n ma d' Schlüss'ln klinga, sö wer'n uns do was bringa
Und was wir enk noch wünschen, aufs Jahr an neua Prinz'n
Ja kruzifix ja kruzifix, ja griag´n ma denn scha wieder nix
Mir bedanken uns für diese Gab`n, die mir von enk empfangen hab'n


Ein guter Vorsänger reimt sich spontan auch eigene Verse

 

Das Waschinger Wasservogelsingen endet in der alten Bauernstube im Schroihaus. Es wird die nasse Kleidung gewechselt, der Ofen eingeheizt und die gesammelten Eier gebraten.


Maibaum

maibaumaufstellen


Mit dem 1. Mai ist heute vielerorts der Brauch des Maibaumaufstellens verbunden. Der Maibaum ist oft mit den Symbolen der verschiedenen Berufe geschmückt. Die eigentliche Tradition des Maibaumaufstellens, ist noch verhältnismäßig "jung", steht aber in einem weit in die Vorzeit zurückreichenden Zusammenhang. In seiner heute oft gebräuchlichen Form mit grüner Spitze und Kranz ist er seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Allerdings in einer etwas anderen Funktion, als Kirchweihbaum, Ehrenmaibaum für bestimmte Personen oder als mit Preisen behängter Kletterbaum bzw -stange. Seit dem 19. Jahrhundert wurde vor allem in Bayern der Ortsmaibaum für die Ortschaften zu einem Symbol ihres Selbstbewusstseins.
Rund um den Maibaum hat sich im Laufe der Zeit viel lokales Brauchtum entwickelt das sich oft von Ort zu Ort unterscheidet. In den Tagen vor dem 1. Mai wird der Maibaum umgelegt um ihn zu schmücken. Es werden neue Kränze gebunden, der Baum selbst wird geschliffen oder neu gestrichen, Fahnen und Schilder werden erneuert bzw. ausgebessert. In dieser Zeit ist der Maibaum sehr "gefährdet". Denn vor allem das Stehlen des Maibaumes ist ein fleißig ausgeübter aber auch viel gefürchteter Brauch. Gestohlene Bäume müssen später wieder ausgelöst werden. Dazu begibt sich eine Abordnung der Bestohlenen zu den Dieben und handelt den Preis aus, der üblicher Weise in Naturalien (Getränke und Essen) zu entrichten ist.
Das Maibaumaufstellen geschieht unter der Führung eines erfahrenen Mannes, der das Kommando führt. Der Maibaum wird mit Hilfe von „Fangruten“ (lange Stangenpaare) aufgestellt. Steht der Maibaum, sitzt man sich zur Maifeier mit Getränken, Gegrilltem, Kaffee und Kuchen zusammen.


Sonnwendfeuer

sonnwendfeuer


Dieser uralte Brauch wird bis heute vor allem auch in Niederbayern gepflegt.
Sonnwendfeuer werden jedes Jahr in den Tagen um die Sommersonnenwende am 21. Juni als Licht- und Lebenssymbole abgebrannt.
Entstanden aus Hoffnungen, Ängsten und Sehnsüchten der Menschen sollte das Sonnwendfeuer Mensch, Tier und Saat magische Kräfte verleihen. Als Sicherung, die kommende Kälte und Dunkelheit der Wintermonate zu überstehen.
Schon Wochen vorher wird Holz zusammengetragen und zu einem riesigen Holzstoß aufgeschichtet (Zamzoin´g). Bei anbrechender Dunkelheit wird der hochaufgeschichtete Holzstoß entzündet. Im Schein des abbrennenden Feuers sitzt man oft bis in die Morgenstunden beisammen.


Osterratschen

osterratschen


Einem alten Brauch zufolge wird das Glockengeläut in den katholischen Kirchen in der Karwoche von Gründonnerstag (ab dem Gloria) bis zur Osternachtfeier (wieder bis zum Gloria) durch hölzerne Klappern ersetzt. Im Volksmund sagt man, dass die Glocken in in dieser Zeit "nach Rom geflogen" sind, um Segen und Ostereier zu holen. Dieser Brauch war schon zur Zeit Karls des Großen üblich, und hat sich seither in vielen Gemeinden erhalten. Schon bevor die Christen diesen Brauch übernahmen, gab es Gebiete, in denen mit dem Geknatter und Geklapper der Winter ausgetrieben und die Natur aufgeweckt werden sollte.
Am Gründonnerstag Abends versammeln sich die Buben und Mädchen. Anschließend ziehen sie mit ihren Holzratschen durch den Ort von Haus zu Haus und erinnern die katholischen Christen den "Englischen Gruß" zu beten. Dies wiederholt sich an den folgenden Tagen jeweils am frühen Morgen, zur Mittagsstunde und am Abend mit folgendem Sprechgesang:

"Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruaß,
den jeder katholische Christ beten muaß
Fallt´s nieder, fallt´s nieder auf enkere Knia
und bet´s a Vaterunser und drei Ave Maria"

Das Osterratschen wird am Karsamstag Mittag mit dem Einholen des Lohnes beendet. Der "Lohn" wird anschließend brüderlich geteilt und besteht meist aus "Karwochen" Eiern, Osterkrapfen, Schokolade oder etwas Geld.